Vorwort

Willkommen auf unserer Webseite zur Planung von Lernprozessen im Informatikunterricht!

Dies ist ein gemeinsames Projekt des Instituts für Informatik der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Instituts für Didaktik der Mathematik und Informatik der Goethe-Universität Frankfurt. An der Gestaltung dieser Webseite wirkten mit: Steffen Burk, Philipp Konle, Marius Scholz, Jan Staudinger, Julius Weckler, Matthias Wendlandt und Carolin Zierer. Das Projekt wurde von der Initiative – Digital gestütztes Lehren und Lernen in Hessen – des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst gefördert.

Die Planung von Unterricht ist eine wesentliche Aufgabe von Lehrkräften und eine der wichtigsten Komponenten für erfolgreiche Wissensvermittlung im Schulunterricht. Für Schülerinnen und Schüler ist Unterricht das, was zwischen zwei „Klingelzeichen“ in der Schule passiert und vielleicht noch die Bearbeitung der Hausaufgaben. Für die Lehrkraft ist es bedeutend mehr. So ist die Lehrkraft nicht nur für die Phase des Unterrichtverlaufs verantwortlich, sondern vor allem auch für die Unterrichtsplanung, die Unterrichtsvorbereitung und im Anschluss an den Unterrichtsverlauf die Unterrichtskontrolle (vgl. Peterßen, 2000).

Phasen des Unterrichts (vgl. Peterßen 2000, S. 11)

Während die Unterrichtsplanung Entscheidungen für den Unterrichtsverlauf gedanklich oder schriftlich plant und vor allem begründet, ist die Unterrichtsvorbereitung eine erste Umsetzung der Entscheidungen. Der Unterrichtsraum wird vorbereitet. Zum Beispiel wird Software installiert oder die Lego Mindstorms werden aus dem Archiv geholt. Die Unterrichtskontrolle vergleicht den geplanten mit dem tatsächlich geschehenen Unterricht und nimmt unter Umständen eine Planungskorrektur für die folgenden Unterrichtsstunden in einer Unterrichtsreihe vor.

Wir wollen uns auf dieser Seite vor allem mit der Unterrichtsplanung, also der Planung von Lernprozessen im Informatikunterricht beschäftigen. In einem ersten Schritt thematisieren wir vier Themenfelder, die sowohl aus fachdidaktischen Anteilen als auch aus allgemeindidaktischen Anteilen bestehen.

Das erste Themenfeld umfasst Schlüsselbegriffe, also grundlegende Begriffe aus der Informatikdidaktik, deren Kenntnis zur Planung von Unterricht unabdingbar ist. Dabei ist ein zentraler Begriff für jede Lehrkraft, die das Schulfach Informatik unterrichtet, der Begriff der Fundamentalen Idee (Schwill, 1993). Der Begriff hat nicht nur eine große Bedeutung für die reine Planung von Unterricht, er ist vor allem die Grundlage für kompetenzorientierten Unterricht im Bereich Informatik und damit ein Schlüssel für die Gestaltung allgemeinbildenden Unterrichts.

Der zweite Bereich umfasst Unterrichtsprinzipien. Hier beschränken wir uns auf die vier zentralen Prinzipien des problemorientierten Lernens, des entdeckenden Lernens, des handlungsorientierten Lernens und der Ganzheitlichkeit (vgl. Peterßen, 2000). Vor allem das problemorientierte Lernen und das handlungsorientierte Lernen sind so grundlegend mit dem Fach Informatik, bzw. dem Schulfach Informatik verbunden, dass häufig auf sie in Kerncurricula des Unterrichtsfachs Informatik verwiesen wird (siehe zum Beispiel Kerncurriculum gymnasiale Oberstufe, Informatik, Hessen).

Der dritte Bereich beschäftigt sich mit der Konzeption von Aufgaben. Neben der Funktion von Aufgaben und verschiedenen Aufgabentypen gehen wir auch aus fachdidaktischer Sicht auf die Unterstützung von Lernprozessen durch Scaffolding ein. Scaffolding (von englisch scaffold – Gerüst) ist ein Prinzip, das Lernprozesse unterstützt, indem Orientierungshilfen (Gerüste) für die Lernenden bereitgestellt werden. Diese Orientierungshilfen sind oft sehr stark mit Aufgaben, bzw. Aufgabenstellungen verbunden. Das Prinzip wird in der Informatik vor allem beim Erlernen von textuellen Programmierumgebungen eingesetzt (siehe Geldreich, 2019).

Der vierte Bereich beschreibt den schriftlichen Unterrichtsentwurf. Wenn auch der klassische schriftliche Entwurf vor allem im Praktikum und im Referendariat eine große Rolle spielt und in der alltäglichen Praxis wohl nur sehr selten oder gar nicht angefertigt wird, sind das grundlegende Muster und die Analysen, die dahinter stecken, das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit im Bereich Pädagogik. Die Denkens- und Entscheidungsmuster sind ohne Frage ein wesentlicher Bestandteil der alltäglichen Unterrichtsplanung (vgl. Meyer, 2018).

Abschließend bleibt zu bemerken, dass die dargestellten Inhalte kein Anspruch auf Vollständigkeit haben. Sicherlich gibt es viele Themengebiete, Modelle, Sichtweisen und Beispiele, die in diesem Themenfeld eine wichtige Rolle einnehmen oder auch in subjektiver Betrachtung wichtiger sind. Das Projekt ermöglichte es uns, einen initialen Versuch zu entwickeln, unsere gemeinsame Sichtweise darzustellen und wir hoffen unser Angebot, das vor allem für die Lehre konzipiert wurde, stetig erweitern und verbessern zu können.

Kontakt

PD Dr. Matthias Wendlandt, Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Informatik, matthias.wendlandt@informatik.uni-giessen.de

Steffen Burk, Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik, burk@math.uni-frankfurt.de

Jan Staudinger, Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik, staudinger.jan@googlemail.com